Achtung – Langeweile (im Job) !

„Zeit ist Geld“ – dieses Sprichwort beschreibt den Arbeitsstil vieler Menschen mehr als treffend. Mehr und mehr Menschen arbeiten nur, um das Konto am Ende des Monats wieder aufzufüllen. Nun werden Sie vielleicht erleichtert aufatmen, weil für Sie das monatliche Gehalt nur ein positiver Nebeneffekt ist und Sie Ihren Job des Jobs wegen ausüben.

Achtung LangeweileDie Arbeit ersetzt, was man im Privatleben schmerzlich vermisst. Wer keinen intakten Freudeskreis hat, wer keine Beziehung hat, die einen glücklich macht, wer keine Hobbies hat, die einen erfüllen, der neigt dazu, sich voll und ganz in seine Arbeit zu stürzen. Man weiß zwar, dass das, womit man seine Tage füllt, nicht das Ideale ist – aber es ist alles besser, als sich den zermürbenden Baustellen im eigenen Leben widmen zu müssen.

Aber: Ist das wirklich das bessere Motiv? Viele Menschen haben sich damit abgefunden, einen Job zu haben, der sich nicht oder nur unzureichend mit den eigenen Interessen und Stärken deckt. Menschen, auf die all das zutrifft, haben sich mit ihrer Arbeit abgefunden, wie sie sich mit einer chronischen Erkrankung abfinden würden, gegen die die Medizin noch kein Mittel erfunden hat. Sicher – wer sich in dieser Beschreibung wiederfindet, könnte seine Arbeit einfach ablegen wie ein altes Kleidungsstück, das nicht mehr passt. Aber mit jedem Tag, jedem Monat, jedem Jahr, das vergeht, fällt es schwerer, einen Neuanfang zu wagen. Die Angst vor der Leere, die danach kommen könnte, wird übermächtig.

Schließlich ist es die Arbeit, die unserem Leben eine Struktur gibt. Die Arbeit gibt – zumindest an den meisten Tagen der Woche – vor, wann wir aufstehen müssen, wann wir Zeit für unsere Lieben haben, ja, sogar, wann wir unser Mittagsessen zu uns nehmen. Ohne diese Schablone würde etwas Wichtiges fehlen. Wer nicht gleich wieder eine neue Aufgabe findet, der tauscht Struktur gegen gähnende Langeweile – und läuft Gefahr, gleich wieder in die nächste Falle zu tappen. Jeder, der einen Internetanschluss hat, kennt das Phänomen. Hat man nichts zu tun, ist die Versuchung groß, seine Zeit mit ziellosem Surfen oder inhaltlosen Online-Spielen totzuschlagen.
Gleiches gilt für eine Veränderung im Berufsleben. Wer sich dazu entschlossen hat, seinen alten Job aufzugeben, der steht vor einer gähnenden Leere, die einschüchternd ist. Schnell ist man dazu geneigt, nach dem erstbesten Job zu greifen, der sich einem bietet – aus finanziellen Gründen, aber auch aus Angst.

Wer eine berufliche – und vielleicht sogar private – Veränderung wagt, der läuft immer Gefahr sich erneut zu verlaufen. Viele machen den Fehler zu denken, dass eine Erhöhung der Arbeitszeit ausreicht, um die Langeweile und Unzufriedenheit aus ihrem Leben zu verbannen. Wir hetzen durch die Zeit, um uns selbst vorzugaukeln, dass wir unersetzlich und unfassbar wichtig sind und ohne unser Zutun nichts mehr funktionieren würde.
Halten Sie an! Betrachten Sie die überfüllten Zeilen in Ihrem Terminkalender mit dem kritischen Blick eines Außenstehenden. Sind all diese Verpflichtungen und Verabredungen wirklich nötig, um Sie Ihrem großen Ziel – dem Finden von Glück und Zufriedenheit – näherzubringen? Oder verstecken Sie sich nur hinter einem permanenten Zeitmangel? Natürlich ist der Weg zu einem Ziel steinig – aber wer gar nicht erst losgeht oder immer wieder falsche Abzweigungen wählt, wird nie wissen, wie gut es sich anfühlt, schließlich anzukommen.

 

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