Übersicht

Emotionale Intelligenz – Der Schlüssel zum Erfolg

Fachwissen und Sachkompetenz sind in der Geschäftswelt ohne Zweifel unabdingbar und werden in Zeiten zunehmenden Konkurrenzdenkens vorausgesetzt. Wer allerdings ernsthaft hervorstechen will, höher hinaus und richtig erfolgreich sein will, muss mehr bieten als das: In unserer beziehungsorientierten Geschäftswelt kommen Sie nicht umhin, sich mit Menschen auseinanderzusetzen. Wer höhere Ansprüche an sich selbst hat, als nur einer unter vielen zu sein, muss auch emotionale Intelligenz beweisen.

Mangelnde emotionale Intelligenz und die Folgen

In den 1990er Jahren entwickelte der amerikanische Neurologe Joseph Ledoux das Konzept emotionaler Intelligenz. Mit diesem verdeutlicht er, dass der Karriereweg eines Menschen zu gleichen Teilen von seinen sozialen Kompetenzen wie von seinen Sach- und Fachkompetenzen abhängt. In der Konsequenz bedeutet das, dass Ihre fachlich intellektuellen Fähigkeiten nur die Eintrittskarte zum Erfolg sind. Die Aufstiegsleiter betreten Sie jedoch erst, wenn sie auch emotionale Fähigkeiten vorweisen können.

Sie erleben es sicher tagtäglich, dass Sie von klugen, rational handelnden Menschen umgeben sind – vielleicht Kollegen oder gar Vorgesetzte –, diese aber in entscheidenden Situationen (beispielsweise ein Geschäftsabschluss) scheitern. Woran liegt das?

Die Gründe können vielfältig sein, lassen sich aber häufig auf mangelnde emotionale Intelligenz zurückführen. Zum Beispiel bei Geschäften im internationalen Bereich: Bin ich als Handelnder nicht in der Lage, das Verhalten meines Gegenübers zu deuten und meine Handlungsweisen entsprechend auszurichten, so kann sich der Geschäftspartner überrannt oder ignoriert, im schlimmsten Falle gar missverstanden und verletzt fühlen. Sie wollen den Erfolg, also müssen Sie an dieser Stelle tätig werden!

Ein anderes Beispiel ist der Umgang eines Vorgesetzten mit seinen Mitarbeitern: Hört die Person Ihnen zu, versucht sie sich in Sie hineinzuversetzen, Ihre Schwierigkeiten nachzuvollziehen und konstruktive Lösungsansätze zu erarbeiten? Häufig fehlt es Führungskräften an der nötigen Empathie. Das kann schnell zu Frustration und Unmut führen

Checkliste: Was emotionale Intelligenz ausmacht

Fünf Punkte machen die emotionale Intelligenz aus. Dazu gehören:

  1. Die Selbstwahrnehmung / Selbstreflexion
    Menschen, die geübt darin sind, sich selbst zu beobachten, zu analysieren und gegebenenfalls kritisch in Frage zu stellen, können sich und ihre Wirkung auf Andere besser kontrollieren. Nur wer mit einer gewissen Selbstdistanz und Beherrschtheit handelt, kontrolliert die Situation und damit ein Stück weit auch sein Gegenüber.
  2. Innere Ausgeglichenheit
    Die eben beschriebene Selbstwahrnehmung ermöglicht eine Selbstkontrolle, die wiederum der Schlüssel zum Steuern unserer Gefühle und damit zu einer inneren Ausgeglichenheit ist. Sind Sie innerlich ausgeglichen, spürt das Ihr Gegenüber: Sie haben nun die Macht, die Geschehnisse zu lenken.
  3. Selbstmotivation
    Wer in der Lage ist, sich selbst zu motivieren und die gesteckten Ziele zu verfolgen, leistet mehr und ist effektiver. Hierbei hilft ein gesunder – aber realistischer – Glaube an sich selbst und die eigenen Fähigkeiten. Selbstmotivierende Menschen suchen die Herausforderung und bringen eine gesunde Neugier bei der Bewältigung von Aufgaben mit. Hierzu gehören natürlich auch ein ausgeprägtes Durchhaltevermögen sowie die Fähigkeit, das Hauptziel im Auge zu behalten, selbst wenn Sie noch dabei sind, Etappensiege zu erzielen.
  4. Achtsamkeit
    Diese Eigenschaft bezeichnet man auch als Empathie. Wer wirklich sozial intelligent ist und dies zu nutzen weiß, ist in der Lage, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, die Perspektive zu wechseln. Dies ermöglicht Ihnen, Signale anderer Menschen zu deuten und Respekt und Verständnis für andere Positionen als der Ihren aufzubringen. Empathische Menschen können Ihr Gegenüber akzeptieren und auf dieser respektvollen Ebene handeln, selbst, wenn sie einer anderen Überzeugung anhängen. So entstehen vertrauensvolle Beziehungen, die eine positive Atmosphäre schaffen.
  5. Soziale Kompetenz
    Laut dem Psychologen Daniel Golemann (1999) handelt es sich bei der sozialen Kompetenz um die „Krönung der emotionalen Intelligenz“. Alle vorangegangenen Punkte werden in der sozialen Kompetenz vereint. Sie ermöglicht Ihnen, Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen und vor allem diese zu lenken. So können Sie ein nützliches soziales Netzwerk entstehen lassen, auf das sie im Bedarfsfall zurückgreifen können.

Emotionale Intelligenz ist lernbar

Keine Panik! Sollten Sie dem vorangegangen Idealbild eines emotional intelligenten und handelnden Menschen noch nicht exakt entsprechen, so können Sie sich entspannen, denn: Emotionale Intelligenz ist lernbar!

Zunächst einmal müssen Sie sich darüber bewusst werden, wo Ihre Schwächen liegen. Zu jedem Lernprozess – und das Erlernen emotionaler Intelligenz ist ein solcher – gehört die Bereitschaft, es anzugehen und Ausdauer.

Fragen, die Sie sich stellen können, lauten zum Beispiel: Bin ich selbst kritikfähig? Wie laufen potenziell konfliktreiche Situationen im Privat- oder im Berufsleben ab? Kann ich auch aus schwierigen Situationen mit einem guten Gefühl herausgehen, selbst wenn nicht alle Bedürfnisse gestillt wurden?

Sie können an Trainings und Seminaren zu Themen wie Konfliktmanagement, Kommunikation und Ausdruck teilnehmen. Häufig sind diese gute Anregungen durch ihre zeitliche Begrenzung jedoch nicht ausreichend. Haben Sie Ihre Defizite erkannt, müssen Sie konsequent üben:

    1. Empfehlung
      Beginnen Sie, indem Sie sich fragen, was Sie ausmacht: Welche Rollen erfülle ich? Was sind meine Bedürfnisse, was meine Ziele? Wo liegen meine Schwächen und wo die Stärken? Schreiben Sie ihre Antworten auf, sprechen Sie mit anderen darüber. Ein Blick von außen ist nicht immer leicht zu ertragen, kann aber hilfreich sein.
    2. Empfehlung
      Beobachten Sie sich und Ihre Umgebung aufmerksam. Lernen Sie, das Handeln anderer Menschen nachzuvollziehen, ohne es zu bewerten. Hinterfragen Sie ruhig die Beweggründe für Ihr eigenes Handeln, genauso wie für das Ihrer Mitmenschen. Akzeptieren Sie, dass jeder Mensch ein Recht auf seinen Standpunkt hat. Durchleben Sie ihren Alltag auf diese Weise achtsam, wird Ihre Empathiefähigkeit schnelle Fortschritte machen.
    3. Empfehlung
      Arbeiten Sie an Ihrer Kommunikationsfähigkeit. Sie können selbst viel dazu beitragen, dass Kommunikation funktioniert. Fragen Sie sich, wer Ihnen gegenübersitzt und kommunizieren sie adressatengerecht: In welcher Stimmung befinde ich mich und wie wirkt mein Gegenüber? Haben wir inhaltlich den gleichen Wissensstand? Muss ich zusätzliche Dinge in Bezug auf unser Gesprächsthema ergänzen, die mein Gesprächspartner wissen muss? Achte ich darauf, den Anderen ausreden zu lassen und höre ihm richtig zu, auch wenn er anders kommuniziert als ich (beispielsweise zu wenig erklärt oder zu viel, alles bewertet oder persönliche Wertungen sachliche Äußerungen überwiegen)?

Der Bereich der Kommunikation ist ein sehr großer, der Ihnen jedoch viele Möglichkeiten eröffnet. Wer lernt, Gestik, Mimik und Sprache gezielt einzusetzen, wird schnell erfolgreicher!

Die bisher angesprochenen Bereiche gehen davon aus, was Sie aktiv tun können. In manchen Situationen sind Sie allerdings auch Kritik ausgesetzt. Nicht nur Sie schätzen Ihre Umwelt ab, bewerten diese und handeln entsprechend, sondern auch Ihre Mitmenschen. Arbeiten Sie daran, Kritik selbst konstruktiv zu äußeren – also so, dass sie nicht verletzen, sondern Negatives objektiv herausstellen und Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigen – und arbeiten Sie gleichzeitig daran, selbst kritikfähig zu sein. Nehmen Sie Kritik als Angebot an. Sie entscheiden selbst darüber, was Sie aus dem Feedback Ihres Gegenübers umsetzen wollen und können, um wieder einen Schritt weiter zu kommen.