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Feedback

Der Begriff „Feedback“ stammt aus dem Englischen und bedeutet wörtlich übersetzt Rückkopplung. Allerdings wird dieses Wort heute verwendet, wenn wir jemandem Rückmeldung bezüglich seines Verhaltens geben, beziehungsweise wenn wir Rückmeldung bezüglich des eigenen Verhaltens erhalten. Feedback begegnet uns jeden Tag – in Form von Lob und Kritik erfahren wir täglich ein wenig mehr darüber, wie unser Umfeld uns wahrnimmt. Aber: Ebenso wie Sie möchten, dass man fair mit Ihnen umgeht, erwarten es auch Ihre Mitmenschen von Ihnen. Daher gibt es eine Reihe von institutionalisierten Feed-Back-Verfahren, die beispielsweise in der Kunden- und Mitarbeiterbeurteilung eingesetzt werden. Denn: Nur wer das richtige „Feedback geben“ beherrscht, kann das Feedback als das einsetzen, was es eigentlich ist – als harmonisierendes Mittel im Zusammenleben mit anderen und zur eigenen persönlichen Entwicklung.

Wozu Feedback?

Es gibt ein Problem, das haben die meisten Menschen gemein. Zwischen Fremdbild und Selbstbild klafft eine mehr oder weniger große Lücke. Das heißt, dass viele von ihrem Umfeld anders eingeschätzt werden, als sie sich selbst sehen. Wer also mehr über sich erfahren möchte, sollte genau hinhören, wenn er von anderen Menschen Feedback erhält. Dabei sollten Sie auch, wie im folgenden Beispiel demonstriert, auf indirekte Anregungen hören:
Herr Schulze kommt zu spät zur Arbeit. Sein Chef, Herr Muster, erkundigt sich daraufhin bei Herrn Schulze, ob dieser wüsste, wie spät es sei. Selbstverständlich ist diese Frage keine wirkliche Frage nach der Uhrzeit, sondern eine versteckte Kritik an Schulzes Verspätung.

Hier kommt es nun darauf an, wie wir das erhaltene Feedback aufnehmen. Viele Feedback-Nehmer reagieren mit Trotz, weil sich das Urteil des Feedback-Gebers oft stark von der Art unterscheidet, wie wir uns selbst wahrnehmen. Wenn Sie diese Trotzreaktion unterdrücken, werden Sie sehen, dass sich im Feedback anderer eine große Chance für Sie verbirgt. Ihr Umfeld sieht Eigenschaften an Ihnen, die Ihnen möglicherweise gar nicht bewusst sind. Somit erhalten Sie die Möglichkeit, Ihr Verständnis von sich selbst und Ihr Bild auf Ihr Umfeld zu optimieren. So können Sie Ihre positiven Eigenschaften weiter ausbauen und Negatives unterdrücken. Denn: Sie wissen nun, wie Sie auf Ihr Umfeld wirken – und können eventuelle „Verhaltensfehler“ ausgleichen. Feedback verbessert somit nicht nur Ihr Verhalten, die rücksichtsvolle Ehrlichkeit wirkt sich auch positiv auf zwischenmenschliche Beziehungen und somit auch beispielsweise auf das Arbeitsklima aus.

Was ist? Und was kann werden?

Das Missverhältnis zwischen Fremdbild und Selbstbild lässt sich am besten mit Hilfe des sogenannten „Johari-Fensters“ darstellen. Die vier Quadranten der folgenden Abbildung sollen Ihnen veranschaulichen, wie die Wahrnehmung Ihres Selbsts funktioniert:



Der Quadrant A zeigt Ihnen, welche Ihrer Eigenschaften sowohl von Ihnen als auch von Ihrem Umfeld registriert werden. Er bildet somit Sie als Öffentliche Person ab. Dieser Bereich enthält alles Transparente, was Ihre Person betrifft. Freie Aktivitäten, öffentliche Sachverhalte und Tatsachen kommen hier zum Tragen. Durch dieses Fenster können Sie also nicht nur hinausschauen – andere können ebenso hineinschauen.

Der Quadrant B hingegen ist der Bereich Ihres Wesens als Privatperson. Alles, was in diesem Bereich enthalten ist, das ist zwar Ihnen selbst bekannt, gehört allerdings nicht zu dem Wissen der anderen über Sie. Zu diesem Bereich zählen geheime Sorgen und Wünsche, die Sie niemandem mitteilen. Dieses Fenster ist somit von außen nicht einsehbar.

Der Quadrant C steht für den Blinden Fleck Ihrer Persönlichkeit. Es sind Wesenszüge und Verhaltensmuster, die Ihnen selbst unbekannt sind, allerdings von Ihrem Umfeld wahrgenommen werden. In diese Kategorie gehören unbewusste Gewohnheiten, wie das unbemerkte ständige Zurückstreichen der Haare. Durch dieses Fenster können also nur Ihre Mitmenschen hineinsehen, hinausschauen können Sie jedoch nicht. Hier kann Feedback hilfreich sein, um diesen Fleck zu verkleinern oder sogar völlig zu beseitigen.

Der letzte Teil des „Johari-Fensters“, Quadrant D, markiert den Bereich des Unbekannten. Die Vorgänge, die dieser Bereich enthält, sind weder Ihnen noch Ihrer Umwelt bekannt. Somit handelt es sich hierbei um ein Fenster, das weder von sich selbst noch von anderen einzusehen ist.

Die Macht des Feedbacks

Anhängig von dem Umfeld, in dem Sie sich gerade befinden, kann die Größe der einzelnen Quadranten variieren.

Werden Sie beispielsweise in einer neuen Projektgruppe eingesetzt, in der sich die Mitarbeiter noch nicht kennen, dann ist Quadrant B der dominante. Das Gros Ihres Wesens ist Ihrem Umfeld allerdings nicht zugänglich und somit ist auch die Schnittmenge zwischen den Eigenschaften, die sowohl Ihnen als auch anderen bekannt sind, relativ klein (Quadrant A). Dieser Quadrant A kann jedoch durch den Einfluss von Feedback wachsen, bis eine Situation ähnlich der dritten Abbildung erreicht ist. Ebenfalls kann systematisches und somit effizientes Feedback dazu führen, dass sich der Blinde Fleck verkleinert, weil einen nun auch unbewusste Gewohnheiten bewusst gemacht werden. Während also Quadrant B und C schrumpfen, vergrößert sich der Bereich des Öffentlichen (Quadrant A).

Richtig Feedback geben

Um Ihr Feedback so zu geben, dass andere Menschen es auch verarbeiten und annehmen können, ist es dringend nötig einige Feedback-Regeln zu beherrschen. So ist es zum einen unumgänglich, Ihre Mitmenschen genau zu beobachten und Ihnen zuzuhören. Wenn Sie Ihrem Feedback-Nehmer eine Rückmeldung zu einem Verhalten geben, das Sie nur lückenhaft erkannt haben, ist diese Rückmeldung so gut wie wertlos.
Ebenfalls sollten Sie in der Rolle des Feedback-Gebers sanft sein. Sie beschreiben ganz konkret und sachlich, wie das Verhalten des Feedback-Nehmers auf Sie gewirkt hat, aber greifen Ihn nicht an. Feedback ist keine Kritik. Sie sollen Ihrem Gegenüber nur die Augen öffnen, um ihm die freiwillige Option zu bieten, einen Veränderungsprozess einzuleiten. In gleichem Maße sollte allerdings auch der Feedback-Nehmer willens sein, Ihre Rückmeldung anzunehmen ohne beleidigt zu sein oder sich zu rechtfertigen. Legen Sie beim Geben von Feedback Wert auf einen respektvollen Austausch, bei dem beide Parteien Rücksicht aufeinander nehmen.

Was ist gutes Feedback?

Wenn Sie ein gutes Feedback geben wollen, dann sollten Sie darauf achten, nicht den Charakter einer Person zu bewerten, sondern lediglich sein an den Tag gelegtes Verhalten. Außerdem sollten Sie abwarten, bis Sie um Feedback gebeten werden und Ihren Mitmenschen nichts aufzwingen, was nicht auch Sie zu hören bereit sind. Ebenfalls sollten Sie sich möglichst kurz fassen. Keiner erwartet von Ihnen einen schier unendlich langen Monolog – schildern Sie Ihre Beobachtungen klar und eindeutig.

Folgende Tipps könnten Ihnen außerdem behilflich sein:

  • Sprechen Sie in der Ich-Form. Formulierungen, die „Ich finde, dass…“ enthalten, sollten immer verallgemeinernden man-Botschaften vorgezogen werden. Denken Sie immer daran: Ihre Beobachtungen sind in erster Linie rein subjektiv.
  • Beschreiben Sie, aber analysieren Sie nicht! Sagen Sie „Ich habe beobachten können, dass…“, aber verzichten Sie darauf, das Erlebte oder Empfundene zu Interpretieren. Sie könnten Ihr Gegenüber damit verletzen.
  • Sprechen Sie Probleme so konkret wie möglich an. Wenn Ihnen aufgefallen ist, dass Ihr Gegenüber zu häufig „äh“ sagt, dann teilen Sie ihm genau das mit. So kann der Feedback-Nehmer genauestens nachvollziehen, was dem Umfeld an ihm auffällt.
  • Sehen Sie auch das Positive! Äußern Sie nicht nur negative Kritik. Verpacken Sie am besten – nach der sogenannten Sandwich-Methode einen negativen Aspekt zwischen zwei positiven.
  • Sprechen Sie nur Dinge an, die auch zu ändern sind! Es wäre unfair, den Feedback-Nehmer wegen seiner großen Nase oder unangenehm hohen Stimme zu kritisieren. Denn: Das Ändern dieser Aspekte steht nicht in der Macht Ihres Gegenübers. Es ist also unnötig und destruktiv, dies zu thematisieren.

Was zeichnet einen guten Feedback-Nehmer aus?

  • Lassen Sie den Feedback-Geber ausreden! Diese Person hat sich die Mühe gemacht, Ihr Verhalten genau zu beobachten – höchstwahrscheinlich, weil Sie ihn darum gebeten haben. Geben Sie Ihm daher auch die Möglichkeit von dem Wahrgenommenen zu berichten.
  • Verzichten Sie auf Rechtfertigungen! Denken Sie beim Feedback-Nehmen immer daran: Sie werden nicht angegriffen! Somit besteht auch kein Grund zur Verteidigung. Respektieren Sie das Wahrgenommene des Feedback-Gebers – und bewahren Sie seine Worte auf. Sie können sicherlich daraus lernen.
  • Zeigen Sie Ihre Dankbarkeit. Danken Sie Ihrem Gegenüber für das erhaltene Feedback. Sie haben durch diese Worte die Möglichkeit erhalten, sich weiterzuentwickeln.

Was – wie – warum?

Um ein perfektes Feedback geben zu können, sollten Sie nicht nur die obigen Tipps beachten, sondern auch rezipientenspezifisch vorgehen. Das heißt, dass unterschiedliche Menschen auch nach unterschiedlichen Feedback-Methoden verlangen. So müssen Sie bei Kindern anders vorgehen als bei Erwachsenen. Gleiches gilt für die Anzahl an Feedback-Nehmern: Geben Sie einer Einzel-Person Ihr Feedback, dann sollten Sie anders vorgehen als vor einer größeren Gruppe von 20 Personen. Auch sollten Sie darauf achten, was der oder die Feedback-Nehmer von Ihnen hören wollen. Geht es um eine detaillierte Rückmeldung oder nur um eine knappe oberflächliche Bewertung? Je nach Situation und Anforderung gibt es unterschiedliche Techniken, die Ihnen in der Rolle des Feedback-Gebers behilflich sein können.

Ein kleiner Einblick in die Methodik

Die folgenden Beispiele stellen Ihnen drei solcher Feedbackmethoden vor. Diese Methoden lassen sich, je nach Bedarf, alleine oder in Gruppen trainieren – und in Feedback-Situationen eins zu eins umsetzen.

Die „Zwei-Seiten“-Methode:

Bei dieser Methode erhält jeder Teilnehmer ein leeres Blatt Papier. Auf der Vorderseite sollen alle positiven Aspekte eines bestimmten Sachverhalts oder einer Person notiert werden, während die negativen Aspekte auf die Rückseite geschrieben werden. Für diese Aufgabe stehen den Teilnehmern zwei bis fünf Minuten zur Verfügung. Im Anschluss wird das Geschriebene ausgewertet. Diese Auswertung bietet im Normalfall viel Diskussionsstoff, da die Fragen aufkommen, wie das Feedback zu interpretieren ist und was beim nächsten Mal optimiert werden kann.

Die „Ampel“-Methode:

Für diese Übung muss zunächst für jeden Teilnehmer ein Set Karten erstellt werden. Jedes Set besteht aus drei Karten in den Ampelfarben rot, gelb und grün. Die Teilnehmer begeben sich in einen Sitzkreis. Dann stellt der Übungsleiter Fragen, die zur Bewertung eines bestimmten Sachverhalts aufrufen (Beispiel: „Wie hat Ihnen das Theaterstück gefallen?“). Nach jeder gestellten Frage wählen die Teilnehmer eine Karte aus. Dabei haben die Farben folgende Bedeutung:

  • Rot: „Ich fand es nicht gut.“
  • Gelb: „Ich schlage eine Verbesserung vor.“
  • Grün: „Ich fand es gut.“

Diese Methode eignet sich besonders gut, um Kindern den Umgang mit Feedback näherzubringen.

Die „Blitzlicht“-Methode:

Die „Blitzlicht“-Methode lässt sich nahezu überall spontan einsetzen. Das macht diese Methode so beliebt. Jeder Teilnehmer erhält beispielsweise eine Minute Zeit. In dieser Minute soll sich der Teilnehmer zu einer konkreten Frage äußern (Beispiel: „Wie fühlen Sie sich?“). Dann ist der nächste Teilnehmer an der Reihe. Die Aussagen der Teilnehmer sollten allerdings nicht kritisiert oder anderweitig kommentiert werden. Auch sollte die Reihenfolge, in der die Teilnehmer ihre Aussagen machen, im Vorfeld festgelegt werden.
Der Übungsleiter sollte sich zu den Antworten stichpunktartige Notizen machen. So behalten Sie den Überblick und können entsprechend auf die Empfindungen der Teilnehmer reagieren. Sollte das Gros der Teilnehmer antworten, dass Sie müde oder unkonzentriert sind, dann sollten Sie mit einer Pause oder Entspannungsübungen durchführen.


Feedback ist immer ein Geschenk
und wie bei allen Geschenken entscheidet der Empfänger,
ob er es annimmt oder nicht!


Natürlich gibt es noch zahlreiche andere Feedback-Methoden. Wenn Sie sich mit der einschlägigen Literatur beschäftigen, werden Sie feststellen, dass es für jede Situation die richtige Technik gibt. Aber schon jetzt steht Ihnen ein gutes Handwerkszeug zur Verfügung. Nutzen Sie es doch gleich mal und geben Sie mir ein Feedback zu www.kompass-prinzip.de. Das können Sie tun, indem die mir einfach eine Nachricht über das Kontaktformular zukommen lassen. Teilen Sie mir doch bitte auch mit, ob ich mir erlauben darf, Ihre Rückmeldung zu veröffentlichen. Dann können Sie Ihr Feedback bald in der Rubrik „Meinungen“ finden.