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Körpersprache

„Man kann nicht nicht kommunizieren!“ Dieser bekannte Satz des Kommunikationswissenschaftlers Paul Watzlawick zeigt:  Die Signale unseres Körpers verfügen über viel Macht. Auch wenn wir schweigen, offenbaren wir unserer Umwelt permanent – und meist unbewusst – unser Innerstes. Gestik, Mimik und Haltung verraten unsere Stimmungen, unser Wohlbefinden – und können einen unaufrichtigen Sprecher ungewollt entlarven. Daher: Wer vertraut ist mit der Welt der Körpersprache, verfügt über ein nützliches Instrument, um die kommunikativen Klippen von Vorstellungsgesprächen, Geschäftstreffen und familiären Diskussionen sicherer zu umschiffen.

Körpersprache – ein gewaltiges System

Gestik, Haltung und Mimik – diese drei Begriffe werden in der Fachliteratur zum Oberbegriff Körpersprache zusammengefasst. Was für ein unfassbar großes Netzwerk diese drei Punkte bilden, ist jedoch den wenigsten bekannt. Neben Bewegungen unserer Arme und Hände während eines Gesprächs, der Haltung des gesamten Körpers und der Position der Mundwinkel, gibt es unendlich viele Feinheiten, die das Gesamtkonzept „Körpersprache“ ausmachen. Der Ausdruck und Glanz Ihrer Augen, die Art des Lächelns, die Beinhaltung, ja, selbst Ihre Atmung sind Dinge, die Ihr Gegenüber in einem Bruchteil einer Sekunde registriert und auswertet – und dadurch den berühmten „ersten Eindruck“ von Ihnen gewinnt. Dieser erste Eindruck einer Person wird auch durch die Statur und das Aussehen geprägt. Fast unveränderliche Eigenschaften, wie Größe, Gewicht, Form der Nase, der Stirn, des Mundes lassen auf den Charakter und Lebensstil eines Menschen schließen.

Das oberste Prinzip der Körpersprache

Eine allgemeingültige Formel für die perfekte Körpersprache gibt es nicht – nur ein oberstes Prinzip: Und das heißt „Stimmigkeit“. Ein überzeugender Auftritt wird nur dann gelingen, wenn Körpersprache und Aussagen einander entsprechen. Stellen Sie sich vor, Sie begegnen einem Bekannten, der Sie nach Ihrem Befinden fragt. Behaupten Sie, es gehe Ihnen ganz wunderbar, obwohl Sie mit hängenden Schultern und schwachem Lächeln vor ihm stehen, wird er Ihnen auf keinen Fall Glauben schenken. Doch warum glaubt man dem Körper mehr als Worten? Jeder Mensch weiß, dass eine gesprochene Lüge relativ leicht von den Lippen geht – der Körper hingegen lässt sich nur schwer vollkommen unter Kontrolle bringen. Wer keine mehrjährige Schauspielausbildung oder eine ganze Reihe von Kommunikationstrainings absolviert hat, hat wenig Chancen nicht nur mit der Stimme, sondern auch mit dem Körper glaubhaft zu lügen. Ein gutes Beispiel hierfür sind unsere Politiker: Vergleichen Sie alte Videoaufnahmen von Angela Merkel mit ihren aktuellen Auftritten. Sie werden eine verblüffende Wandlung erkennen, die das Ergebnis von jahrelangem, intensivem Gestentraining sind. Und doch erkennt man noch heute einen großen Unterschied zwischen ihrer Gestik bei lange geprobten Reden und bei spontaner Rede – nur Letzteres wirkt „echt“ und dadurch überzeugender.

Umso wichtiger ist daher eine natürliche Körpersprache. Jeder Mensch hat eine einmalige Art sich zu bewegen und zu gestikulieren. Diese Art lässt sich schon mit simplen Tricks schnell optimieren. Bleiben Sie dabei allerdings stets Ihrer Persönlichkeit treu. Temperamentvolle Menschen wirken nicht „echt“, wenn sie plötzlich ihre komplette Gestik unterdrücken, nur um souveräner und ernster zu wirken. Das gilt auch für das Gegenteil: Versuchen schüchterne, stille Personen, möglichst viele Handbewegungen in ihre Rede zu integrieren und dadurch selbstbewusster rüberzukommen, kann der Effekt schnell ins Negative umschlagen. Fahrige Bewegungen und eine unstimmige Körperhaltung offenbaren: „Dieser Mensch fühlt sich nicht wohl in seiner Haut!“. Bewegen Sie Ihren Körper deshalb nur so, wie es Ihrer Natur entspricht. Fühlen Sie sich mit Ihrer Körpersprache nicht wohl, schlägt sich das auch negativ auf Ihre Ausstrahlung nieder. Und schließlich: Mit einem Anzug, der zu eng, zu groß oder schlichtweg unbequem ist, würden Sie auch in kein wichtiges Gespräch gehen.

Tipps und Tricks

Beachtet man einige Hinweise, kann man seine Körpersprache in kurzer Zeit prägnanter und harmonischer gestalten und damit ein Plus an Sympathie und Glaubwürdigkeit gewinnen.

  • Achten Sie auf eine aufrechte Körperhaltung. Dies lässt Sie zum einen souveräner wirken, kann aber auch Ihre innere Einstellung verändern. Studien zeigen, dass Haltung und Mimik starken Einfluss auf Stimmungen haben können. So können ein gerader Rücken und ein erhobener Kopf die Stimmung positiv beeinflussen. Eine bessere Ausstrahlung und eine höhere Aufmerksamkeit Ihrer Mitmenschen sind Ihnen sicher!
  • Bemühen Sie sich bewusst um eine offene Körperhaltung! Sitzt Ihr Gesprächspartner Ihnen gegenüber, dann neigen Sie Ihren Körper leicht in seine Richtung, um ihm Ihre Aufmerksamkeit zu demonstrieren. Schirmen Sie Ihren Körper nicht ab, indem Sie Ihre Finger zu einem wenig einladenden Zaun verschränken. Je öfter Ihr Gegenüber Ihre geöffneten Handflächen sieht, desto entwaffnender wirken Sie. Sitzt Ihr Partner hingegen neben Ihnen, dann sollten Sie zusätzlich eine „zuhörerfreundliche“ Beinhaltung einnehmen. Wenn Sie die Beine überschlagen, dann ist das obere Bein stets das, welches dem Gegenüber zugewandt ist. Dadurch wenden Sie sich ihm mit Ihrem Körper zu – und erscheinen wesentlich kommunikativer.
  • Wer sich in der Gegenwart eines Menschen wohl fühlt, ahmt unbewusst dessen Gesten nach – und erzeugt dadurch eine harmonische Atmosphäre. Dieses Hintergrundwissen können Sie nutzen, um andere Menschen für sich zu gewinnen. Neigt Ihr Gesprächspartner den Kopf zur Seite, dann tun Sie es ihm gleich. Streicht er sich die Haare aus dem Gesicht, dann spielen auch Sie mit Ihrem Haar. Gleichzeitiges Heben des Glases oder das Einnehmen der gleichen Körperhaltung sind weitere mögliche Maßnahmen.
  • Die Augen gelten als Spiegel der Seele – und können Sie spielend leicht als Lügner enttarnen. Lachen Sie nur, wenn Ihnen auch danach ist! Ein leichtes Lächeln um die Lippen kann Türen öffnen. Aber: Während man leicht ein freundliches Gesicht machen kann, lässt sich ein echtes Lachen nur schwer vortäuschen. Lachen Sie lauthals über einen Scherz Ihres Vorgesetzten, obwohl Ihnen insgeheim viel mehr nach „Augen rollen“ ist, kann das schnell auffliegen. Warum? Ein Lachen, dass vorgetäuscht wird, spielt sich nur in der Mundpartie ab, wohingegen die Augen weiterhin ernst bleiben. Nur ein echtes Lachen kann das ganze Gesicht strahlen lassen – und Menschen für sich gewinnen. Versuchen Sie also, der Situation etwas wirklich Komisches abzugewinnen oder begnügen Sie sich mit einem freundlichen Lächeln.
  • Respektieren Sie die Distanzzone Ihrer Mitmenschen. Ein Eindringen in diese Zone schreckt ab und wird oft mit Ablehnung bestraft. Wie nah Sie einer Person kommen dürfen, ist stark von dem Bekanntheitsgrad und der jeweiligen Situation abhängig. Während man einen fremden Menschen bei einer ärztlichen Untersuchung oder in einer vollen U-Bahn sehr nah an sich heranlässt, verhält es sich beim Aufeinandertreffen im Beruf ganz anders: Begegnet man einem fremden Menschen, dann sollte man sich diesem nur auf zwei bis drei Meter nähern. Der ideale Abstand ist erreicht, wenn es möglich ist, sich ohne große Mühe die Hand zu reichen. Anders verhält es sich bei Bekannten. Zum Small-Talk darf sich die Distanz schon mal auf nur einen Meter verringern. Im gleichen Maß, wie die Vertrautheit zwischen Menschen wächst, verringert sich die tolerierte Distanzzone. In die intime Zone, die einen Abstand von bis zu einem halben Meter beschreibt, dürfen daher nur gute Freunde und Vertraute eindringen.

Gesten = Kommunikativer Alleskönner

Unser Körper plaudert also ständig und meist ungewollt unsere Geheimnisse aus. Aber was ist mit den Gesten, die wir während eines Gesprächs machen? Weshalb untermalen wir unsere Äußerungen mit den verschiedensten Bewegungen unseres Körpers? Geschieht das ebenfalls ungewollt? Betrachtet man die Studien in der Gestikforschung, so lautet die Antwort eindeutig „Nein!“. Obwohl diese Wissenschaft noch in den Kinderschuhen steckt, ist längst klar, dass die Gestik eines Sprechers ein kommunikativer Alleskönner mit einer Vielzahl von positiven Effekten ist. Wer schon einmal nach einer Wegbeschreibung gefragt hat, der weiß, dass Zeigegesten und Symbolgesten das Verstehen erheblich erleichtern. Der Gefragte kann noch so ausführlich erklären – ohne seine Hände, die in bestimmte Richtungen zeigen, ist die Beschreibung meist wertlos oder nur schwer nachzuvollziehen. Doch das Hilfsmittel „Gestik“ hat noch mehr zu bieten: Wer seine Aussagen mit Bewegungen seiner Hände und seines Körpers unterstreicht, tut sich einen großen Gefallen. Gesten erleichtern die Wortfindung, helfen beim Formulieren komplexer Sätze und beschleunigen Denken und Reden. Doch auch hier gilt: Eine übertriebene Verwendung von Gesten kann schnell unnatürlich und aufgedreht wirken – dosiert und der individuellen Körpersprache entsprechend angewendet, können diese „Handzeichen“ Sie zum noch besseren Rhetoriker machen!

Interkulturelle Körpersprache

Wie bereits erwähnt gibt es schon zwischen Personen derselben Kultur große Unterschiede in der Körpersprache. Haben wir jedoch mit Menschen anderer Länder oder gar anderer Kontinente zu tun, erhöht sich der Schwierigkeitsgrad enorm. Trotz aller individuellen Unterschiede wissen wir, welche Distanz wir zu unserem Gegenüber einnehmen sollen und auf welche Art wir den anderen begrüßen und betrachten dürfen. So benötigen Asiaten auf Grund der Enge in Ihren Heimatstädten einen viel geringeren Abstand zum Gegenüber. Deshalb ist es durchaus üblich, dass ein asiatischer Geschäftspartner Ihnen kontinuierlich „auf die Pelle rückt“, obwohl Sie ausweichen, um Ihre gewohnte Distanzzone zurückzuerobern. Anders verhält es sich mit dem Blickkontakt. Einem Asiaten sollte man nie direkt in die Augen sehen, sondern den Punkt zwischen den Augen wählen oder diskret den Blick senken.

Um kulturelle Unterschiede zu finden, müssen wir aber nicht einmal auf fernen Kontinenten suchen. Schon zwischen Griechen und Deutschen kann es zu peinlichen Missverständnissen kommen. Will ein Deutscher mit der „Daumen hoch“-Geste seine Begeisterung für etwas ausdrücken, könnte es zu einem handfesten Streit mit dem Griechen kommen. Denn: Für das, was in Deutschland mit dem Mittelfinger zum Ausdruck gebracht wird, nimmt der Grieche den Daumen. Wer sich also vor dem Umgang mit Menschen anderer Kulturen über die Unterschiede informiert, ist klar im Vorteil.

Gut beobachtet ist halb gewonnen

Will Ihr Geschäftspartner Sie übervorteilen? Ist das Angebot, dass Ihnen der Autohändler macht, wirklich fair? Findet die Schwiegermutter Sie wirklich sympathisch? Wer sich gut auskennt in der Welt der Körpersprache, verbessert nicht nur das eigene Auftreten, sondern nimmt auch seine Mitmenschen mit anderen Augen wahr. Ihr Blick ist geschärft für eventuelle Unstimmigkeiten in der Körpersprache – und verringert das Risiko auf Betrüger und Lügner hereinzufallen.