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Kreatives Denken

Manche Menschen können innerhalb eines Sekundenbruchteils die bahnbrechendsten Ideen aus dem Ärmel schütteln. Eine neue Marketingstrategie, einen prägnanten Text zur Mitarbeitermotivation oder auch eine tolle Geschenkidee. Sie beneiden diese „kreativen Köpfe“ um ihre – scheinbar gottgegebene – Fähigkeit und denken, dass Sie nie Derartiges leisten könnten? Das ist ein weitverbreiteter Irrtum. Kreativität wird niemandem in die Wiege gelegt – sie wird erlernt! Kreative Menschen verfügen nur über das nötige Handwerkszeug, um ihr Gehirn zu Höchstleistungen anzuspornen. Mit den richtigen Techniken können Sie das auch!

Im Folgenden möchte ich Ihnen drei Grundtechniken präsentieren, die Ihnen helfen, Ihr kreatives Denken zu aktivieren und Ihre Kreativität zu steigern. Weitere Techniken mit Erklärungen erhalten Sie in dem kostenlosen E-Book „Der Ideen-Kompass – Kreativ sein kann jeder!“.

1. Die „Denkmuster-Falle“

Überlegen Sie einmal, wie oft Sie schon in derselben Situation und denselben Reizen ausgesetzt waren. Haben Sie in diesen Situationen auch immer wieder ähnlich reagiert? Dann geht es Ihnen so wie den meisten Menschen. Viele vorgefertigte Werturteile und Normen, die Sie in diesen Situationen an den Tag legten, haben sich das ein oder andere Mal bewährt – also wurde sie als richtig befunden und dauerhaft übernommen. Sie wurden zu Verhaltens-Automatismen, die Sie abrufen können, wann immer es passen könnte. So hat die Monotonie des Alltags Ihre Wahrnehmung im Laufe der Zeit mehr und mehr eingeschränkt und sogenannte „Denkmuster“ ausgeformt. Das schmälert den Blick auf das Facettenreichtum der Situationen und Gegenstände. Nur wer sich dessen bewusst ist, ist in der Lage sich von den Mustern zu befreien und die Welt auf die verschiedensten Weisen wahrzunehmen.

Erfahrung = Entlastung

Denkmuster können im Alltag ungemein nützlich sein. Sie automatisieren Denkvorgänge durch Wiederholung und geben Ihnen gedankliche Gebrauchsanweisungen, die Sie in den jeweiligen Situationen einsetzen können. Anstatt den Arbeitsspeicher Ihres Gehirns in allen Facetten auszureizen, um die Situation zu meistern, genügt es, einfach das entsprechende Muster zu aktivieren. Im Laufe des Lebens sammeln wir eine große Menge an Mustern, die das Handeln erleichtern. Diese „Verhaltensprogramme“ können es Ihnen sogar ermöglichen, vorausschauend zu agieren – und einzugreifen, BEVOR eine bereits dagewesene Situation erneut auftritt.

Die Entstehung von Mustern können Sie sich durch die Betrachtung von unvollständigen Wörtern veranschaulichen. Betrachten Sie einmal die folgenden Beispielwörter:

  • Ba__
  • H_nd
  • _uch

Sicher wussten Sie gleich, welche Wörter gemeint waren. Nämlich:

  • Ball
  • Hund
  • Buch

Verblüffend, oder? Obwohl jeweils ein oder mehrere Buchstaben gefehlt haben, konnten Sie  die Wörter rasch und richtig vervollständigen. Ihre Erfahrung mit Wörtern der deutschen Sprache hat Ihnen diese Fähigkeit geschenkt. Doch warum haben Sie ausgerechnet diese Wörter gelesen? Schließlich wären folgende drei Begriffe ebenso denkbar:

  • Bank
  • Hand
  • Tuch

Der Grund hierfür liegt eben in den Denkmustern, die Sie im Laufe der Jahre gebildet haben. Ihr Gehirn hat abgespeichert, welche Wörter höher frequentiert sind – und somit geschlussfolgert, dass die erste Variante die ist, die in den meisten Fällen zum Tragen kommt. Der Begriff „Buch“ ist erfahrungsgemäß gängiger als das Wort „Tuch“. Bei dieser Übung haben also gleich zwei Muster Einfluss auf Ihr Denken genommen. Das erste Denkmuster hat die Lücke in der Buchstabenkette korrekt geschlossen, während die zweite aus verschiedenen Möglichkeiten die gängigste ausgewählt hat.

Genauso gut können Ihre Denkmuster Sie aber auch auf die falsche Fährte locken. Dies kann Ihnen im Alltag oft zum Problem werden. Denn: Versuchen Sie einmal ein neues Problem mit den immer wieder selben Methoden zu lösen – Sie werden damit auf Dauer nur sich und den eigenen Arbeitsplatz gefährden. Das verwenden von Denkmustern kann einen Teufelskreis entstehen lassen. Schließlich ist die Neigung, Denkmuster zu nutzen, immer ausgeprägter, je mehr dieser Denkmuster wir besitzen. Wer sich also zunächst in der Sicherheit seiner Erfahrungen ausruht, dem wird es irgendwann als nahezu unmöglich erscheinen, alte Muster zu löschen. Informationen werden immer wieder gleich betrachtet – und die immer gleiche Lösung wird zum Allheilmittel.

Ihr neues Motto: „Ketten durchbrechen!“

Selbstverständlich hat jeder Mensch das Bedürfnis nach Struktur – und nimmt Denkmuster daher dankbar an. Doch genau diese Muster hemmen das kreative Denken. Beobachten Sie Ihre Art zu reagieren: Sie werden feststellen, dass Sie insbesondere in Stresssituationen ein starkes Verlangen nach einer vorbestimmten Richtung haben und diese in vergangenen Erfahrungen und vorgefertigten Werturteilen finden. Dieses Verlangen ist derart groß, dass Menschen selbst davon überzeugt sind, ein erprobtes Muster in einem Sachverhalt wiederzufinden, obwohl sie mit völlig widersprüchlichen Erkenntnissen konfrontiert werden. Sicherlich ist es nur vernünftig, beim Abwiegen seiner Möglichkeiten zunächst das Vertraute abzufragen. Sehen Sie diesen Schritt allerdings nur als erste Grundlage an. Sollte auch nur ein Detail gegen das Muster-Repertoire sprechen, dann reißen Sie sich davon los, machen Sie sich auf den Weg zum befreiten Denken – und schaffen Sie immer wieder neue Strukturen.

Denn: Wer wahre Geistesblitze erwartet, der benötigt einen Verstand der befreit ist von den Zwängen selbstauferlegter Denkmuster.

2. Der „Ja-Sager-Vorteil“

Die gute Nachricht: Um Ihr kreatives Denken anzuregen, ist alles erlaubt, was zielführend ist. Sie können absolut nichts falsch machen! Blocken Sie keine Gedanken mehr ab, nur weil diese Ihnen auf den ersten Blick irrational erscheinen. Haben Sie Mut zum Fehler! Was kann Ihnen schon passieren, wenn Sie ein paar Mal in mentalen Sackgassen landen? Drehen Sie einfach um und starten Sie einen zweiten Versuch. Und: Lassen Sie sich nicht von den negativen Äußerungen Ihrer Mitmenschen aufhalten. Sätze wie „Das ist nun mal so.“ oder „Die Erfahrung zeigt doch, dass…“ werden Sie oft zu hören bekommen. Hören Sie weg! Denn: Nicht nur Ihre eigene Angst vor dem freien Denken kann Ihre Kreativität blockieren, sondern auch die Reaktionen Ihres Umfeldes. Ignorieren Sie diese Stimmen – und sagen Sie ja zu einem Denken, dass weit über die Grenzen Ihrer Denkmuster hinausreicht. Sie werden schnell feststellen, wozu Ihr Gehirn in der Lage ist.

Panik, Freude, Angst – ein Teufelskreis

Kreatives Denken wird also durch eine Reihe von Einflüssen blockiert. Die größte Blockade stellen wir uns allerdings selbst in den Weg, indem wir uns regelrecht verbieten, bestimmte Denkrichtungen einzuschlagen. Diesen Blockade-Vorgang kann man in drei Stadien unterteilen, Panik, Freude und schließlich Angst. Von Psychologen wird dieser Zyklus daher als „PFA-Zyklus“ bezeichnet:

  1. Panik: Sie suchen so krampfhaft nach der richtigen Lösung, dass Sie sich selbst blockieren. Auf Grund dieses enormen selbstauferlegten Drucks fallen Ihnen keine guten Ideen ein, sodass Sie schließlich blind für Neues werden. Die Konsequenz: Sie fühlen Panik aufsteigen.
  2. Freude: Irgendwann gelingt es Ihnen, diese Panik-Blockade zu durchbrechen. In dem Bruchteil einer Sekunde haben Sie Ihre Idee klar vor Augen. Stolz und Freude breiten sich in Ihrem Inneren aus. Sie empfinden Ihre Idee als perfekt.
  3. Angst: Dann denken Sie jedoch an die Kritik Ihrer Mitmenschen. „Was wird mein Chef sagen?“, „Wird meine Familie das gutheißen?“ – Sie beginnen, sich die schlimmsten Szenarien auszumalen und beginnen, sich vor dem Urteil der anderen zu fürchten. Das wertet Ihre Idee schließlich ab. Sie beginnen, Ihren möglicherweise tatsächlich perfekten Geistesblitz klein zu machen und seine Wirksamkeit zu bezweifeln.

Durchbrechen Sie den Zyklus!

Erlauben Sie Ihrem Verstand einmal in die unterschiedlichsten Richtungen zu „wandern“. Machen Sie sich frei von dem Zwang, dass jeder Gedanke gleich zum Ziel führen muss. Probieren Sie sich ruhig einmal nach Herzenslust aus. Es gibt nicht nur „schwarz“ und „weiß“, sondern die unterschiedlichsten Grautöne. Lassen Sie jede Idee zu – denn sie könnte Sie letztendlich zu einer richtigen Lösung führen. Eine hohe gedankliche Flexibilität ist ein Merkmal, das auf jeden kreativen Kopf zutrifft. Sammeln Sie alle Ideen und urteilen Sie erst, wenn die „Mindmap“ Ihrer Ideen vollständig ist.

3. Erste Idee = Beste Idee?

Wenn Sie Ihre „Ideen-Mindmap“ angefertigt haben, dann ist es an der Zeit, die Ansätze kritisch zu bewerten und zu hinterfragen. Tappen Sie nicht in die Falle, eine Idee vor lauter Freude als das einzig Wahre zu proklamieren, ohne zuvor das Für und Wider diskutiert zu haben. Sicherlich sind Sie stolz auf Ihren innovativen Einfall. Aber vergessen Sie nicht: Vielleicht existieren noch bessere Ansätze, die Sie nur aus dem Grund übersehen, weil Sie mit Ihrem „Lieblingseinfall“ übermäßig intensiv beschäftigt sind. Lassen Sie nicht zu, dass Ihnen dieser Einfall weitere Denkvorgänge verbietet. Suchen Sie sich besser noch zwei oder drei Alternativen, bevor die Erst-Idee sich zu einem Denkmuster entwickelt. Sollte Ihre Ursprungsidee anschließend noch immer Ihr Favorit sein, dann ist es Ihnen womöglich gelungen, auf Anhieb einen Volltreffer zu landen. Aber: Hören Sie nicht auf, immer wieder nach einer noch besseren Lösung für Ihr Problem zu suchen oder Ihre „Lieblingsidee“ immer weiter zu verbessern. Nur weil Sie heute diese eine Idee für das Optimum halten, heißt das nicht, dass Sie sich morgen nicht weiterentwickelt haben und neue Perspektiven erkennen können.


Hat dieser Text Ihre Neugier geweckt? Möchten Sie mehr über das Anwenden von Kreativitätstechniken lernen? Dann schauen Sie doch einmal in das E-Book „Der Ideen-Kompass – Kreativ sein kann jeder!“. Es steht Ihnen – selbstverständlich kostenlos – hier zur Verfügung.