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Selbstvertrauen ist lernbar

Es gibt Menschen, die beeindrucken mit ihrem sicheren Auftreten. Wenn sie einen Raum betreten, dann nehmen sie ihn mit ihrer Haltung und ihrem Verhalten ganz für sich ein. Wenn sie einem die Hand geben, dann ist ihr Händedruck kräftig und ihr Blick fest. „So wäre ich auch gern!“, denken Sie? Dieser Wunsch muss keiner bleiben. Denn das einzige, was diese Menschen von Ihnen unterscheidet, ist Selbstvertrauen. Aber: Nur weil sie sich selbst noch nicht vertrauen können, heißt das nicht, dass Sie es nicht erlernen können.

 

Das Haar in der Suppe

Das größte Problem unserer Gesellschaft ist, dass wir immerzu damit beschäftigt sind, Fehler zu suchen. Versetzen Sie sich nur einmal in Ihre Schulzeit zurück. Es ist Zeugnistag und Sie laufen freudestrahlend nach Hause, weil Sie sich im vergangenen Schuljahr ein paar Einsen, viele Zweien und eine Drei in Englisch erarbeitet haben und ziemlich stolz auf sich sind. Zu Hause angekommen, schauen Ihre Eltern sich das Zeugnis genau an – finden aber nicht nur lobende Worte. „Also die Drei in Englisch verdirbt ja das ganze schöne Zeugnis“, sagt Ihre Mutter, während Ihr Vater Sie darauf hinweist, dass diese unerfreuliche Zensur im folgenden Schuljahr auf jeden Fall beseitigt werden muss. Und plötzlich verwandelt sich Ihre Freude in das unangenehme Gefühl versagt zu haben, obwohl dafür gar kein Grund besteht. Kein Wunder also, dass es vielen schwer fällt, selbstbewusst und aufrecht durchs Leben zu gehen. Schließlich sind wir Menschen doch so sehr daran gewöhnt, ständig das berühmte „Haar in der Suppe“ zu suchen.

Sicherlich habe ich einen ganz guten Job, aber er könnte besser sein.“ oder „Mein Gesicht ist recht attraktiv, aber die Nase könnte ein bisschen kleiner sein und die Haare glänzender.“ Wir haben verlernt, auf das stolz zu sein, was wir haben – sind dafür aber Weltmeister darin, Dinge zu finden, die fehlerhaft sind. Sei es bei uns selbst oder bei anderen. Wer eine Zeitung nur liest, um nach Rechtschreibfehlern zu suchen, dem wird der Inhalt der Texte zu einem Großteil entgehen. Genauso verhält es sich mit Ihrem Leben. Wenn Sie stets damit beschäftigt sind, nach Fehlern zu suchen, dann wird Ihnen viel Schönes entgehen. Also: Riskieren Sie nicht, Ihr Leben zu verpassen, indem Sie immerzu nach Perfektion streben!

Ein Verhaltensmuster, das sich großer Beliebtheit erfreut und bei dieser Denkweise in der Regel auch eintreten wird, sieht wie folgt aus:

  • „Ich weiß, dass ein Ereignis ansteht, dass mir sehr wichtig ist.
  • Das Ganze wird entweder ein Erfolg oder ich werde schrecklich versagen.
  • Also gehe ich lieber nicht davon aus, dass es gut gehen wird und so kann ich auch nicht enttäuscht werden.
  • Deshalb gehe ich in Gedanken alle möglichen negativen Szenarien durch.
  • Denn: Wenn ich mir die schrecklichsten Dinge vorstelle, bin ich auf alles gefasst und mich kann nichts mehr enttäuschen.“

Kommt Ihnen das bekannt vor? Dann geht es Ihnen wie vielen anderen Menschen auch. Sie sind auf die schrecklichsten Eventualitäten vorbereitet und erwarten schon fast, dass es schief gehen muss. Sie suchen nicht nur nach Fehlern, Sie gehen davon aus, dass sie passieren werden! Dieser Teufelskreis vernichtet systematisch Ihr Selbstvertrauen. Nach all dem Grübeln über den „Worst Case“ können Sie nur noch mit einem schlechten Gefühl in den Vortrag, die Prüfung oder die Verabredung gehen. Herzlichen Glückwunsch, Ihr innerlicher Fokus auf ein Versagen wird dafür sorgen, dass es mit höchster Wahrscheinlichkeit das Vorhaben nicht gelingen wird. Lenken Sie deshalb Ihre Gedanken in die andere – die richtige – Richtung. Stellen Sie sich die Frage, was das absolut Beste wäre, was passieren kann – und halten Sie an diesem „Etwas“ fest. Stellen Sie sich doch nur einmal vor, wie bestätigend es sein muss, einen Erfolg kommen zu sehen, der dann auch genauso eintrifft.

 

Nichts stärkt das Selbstvertrauen mehr!

Denn: Wenn Sie mit Angst und einem Kopf voll negativer Szenarien in eine Situation gehen und eines dieser Szenarien tatsächlich eintrifft, ist das nur eine weitere Bestätigung für Sie, dass Sie sich selbst nicht vertrauen können. Ohne einen gesunden Glauben an sich selbst, sind Erfolge nahezu unmöglich. Sicherlich haben Sie schon von der „selbsterfüllenden Prophezeiung“ gehört. Versuchen Sie sich das erste Mal im Eislaufen und sagen sich immerzu, dass Sie sicher gleich stürzen werden, dann sind Sie ein Gefangener Ihrer eigenen Angstfalle – und werden mit höchster Sicherheit schneller als Ihnen lieb ist, mit der harten Eisfläche Bekanntschaft machen. Wer hingegen positiv denkt und doch einmal enttäuscht wird, der hat vorher keine Energien darauf verschwendet, sich verrückt zu machen – und der weiß auch, dass es ein nächstes Mal geben wird, an dem das absolut Beste tatsächlich eintreffen wird.

 

Ich bin ich und ich bin gut!

Selbstverständlich ist bei allem, was wir erreichen, eine Steigerung möglich. Das wird uns besonders bewusst, wenn wir nur einmal schauen, was unsere Mitmenschen im Laufe ihres Lebens für Besitztümer und Fähigkeiten angehäuft haben. Doch es wird immer Menschen geben, die schöner, reicher oder intelligenter sind als wir.

„Willst Du Dir Deinen Tag vermiesen, dann fange an Dich zu vergleichen!“

Nicht ohne Grund hat uns der indische Philosoph Jiddu Krishnamurti dieses Sprichwort hinterlassen. Denn: Nur weil andere Menschen Sie in bestimmten Bereichen überragen, heißt es nicht, dass sie besser sind als Sie – sie sind lediglich anders. Hören Sie also auf, sich mit unnötigen Vergleichen zu belasten. Vergleichen Sie sich mit sich selbst: Wo stand ich vor zehn Jahren? Wie weit bin ich heute noch von meinen Zielen entfernt? Und natürlich: Welche Träume möchte ich noch verwirklichen? Diese Fragen bringen Sie weiter und blockieren Sie nicht – sie verdeutlichen Ihnen, wie viel Sie in Ihrem bisherigen Leben schon erreicht haben. Versuchen Sie es doch einfach einmal und blicken Sie auf die Dinge, die Sie bereits erreicht und sich noch vorgenommen haben. Sie werden sehen, wie viel Grund Sie zum stolz sein haben.

Wenn Sie dennoch nicht der Versuchung widerstehen können, sich mit anderen zu vergleichen, dann tun Sie es richtig! Keiner ist in allen Bereichen perfekt. Schauen Sie also genau hin! Vielleicht kann Ihr Arbeitskollege lebendige und packende Vorträge halten, versagt aber völlig, wenn Kreativität gefragt ist. Vielleicht ist Ihr Vorgesetzter im Arbeitsalltag der Inbegriff der Kompetenz, steht aber zu Hause völlig unter dem Pantoffel von Frau und Kindern und ist unglücklich in dieser Rolle. Vielleicht ist Ihre alte Schulfreundin schlank und attraktiv, bekommt aber ihre massive Nikotinsucht nicht unter Kontrolle. Stellen Sie sich immer die Frage, ob der Wunsch, mit einem „besseren“ Menschen tauschen zu wollen, überhaupt angebracht ist. Oder ist das Leben, das Sie führen, nicht möglicherweise doch genau das richtige für Sie, möchten Sie dann wirklich tauschen?

 

Eigenlob stinkt nicht

Arrogante, selbstverliebte Menschen, die nicht müde werden zu prahlen und ihre Erfolge in die Welt hinauszuschreien, mag niemand. Und dennoch: Es ist völlig okay, sich „okay“ zu finden. Haben Sie eine gute Präsentation hingelegt oder konnten einen sportlichen Erfolg verbuchen, dann haben Sie das gute Recht, stolz auf sich zu sein. Sie hatten Vertrauen in sich selbst und Ihre Stärken – und wurden für dieses Selbstvertrauen mit Erfolg belohnt. Dennoch ist es Gang und Gebe seine Erfolge insbesondere in Gegenwart anderer zu zerreden. Den meisten Menschen fällt es besonders schwer, Komplimente anzunehmen. Ein ehrliches „Du siehst heute umwerfend aus!“ tun viele mit einem verlegenen „Ach, was!“ ab. Wir sind so sehr auf unsere Schwächen fixiert, dass es uns seltsam vorkommt, wenn sich unsere Mitmenschen plötzlich mit unseren – für sie – so offensichtlichen und augenscheinlich bemerkenswerten Stärken befassen. Gehen Sie deshalb dazu über, einfach nur „Danke“ zu sagen und sich darüber zu freuen, wie gut Sie ankommen.

Versetzen Sie sich einmal in die Lage Ihrer Freunde. Betrachten Sie sich selbst mit den Augen anderer Menschen. Nehmen Sie hierfür ein Blatt Papier zur Hand und schreiben Sie jede positive Eigenschaft auf, die Ihnen an sich selbst auffällt. Was ist an Ihnen lobenswert? Um welche Fähigkeiten würden Sie andere sogar beneiden? Warum sind Sie der Mensch, mit denen Ihre Freunde befreundet sein wollen? Sicherlich wird Ihnen diese Übung im ersten Moment seltsam erscheinen. Wer sich ein Leben lang auf seine Fehler konzentriert hat, dem werden nicht sofort Dutzende von Eigenschaften einfallen, die Sie an sich schätzen. Aber sobald Sie über Ihren Schatten gesprungen sind, wird schnell eine beachtliche Liste zusammenkommen, die Sie immer dann hervorholen sollten, wenn Sie wieder einmal an sich zweifeln. Denn: In den meisten Fällen besteht für ein Zweifeln gar kein Anlass. Und wer weiß, was er kann und aufrichtig stolz darauf ist, dem fällt es leichter, Schritt für Schritt an den vorhandenen Schwächen zu arbeiten.Und: Wer selbstbewusst durchs Leben geht, der ist in der Lage dazu, seine Schwächen zu akzeptieren und steckt Fehler und kleinere Rückschläge weg, ohne sich verunsichern zu lassen. Denn diese Menschen wissen, was auch immer passiert: Es gibt immer mindestens eine Lösung! Und genau das ist das Ziel: Sie sollen – und können – nicht perfekt sein. Aber vertrauen Sie in sich und Ihre Fähigkeiten, auch und gerade wenn Ihnen ein Fehler unterläuft.