Neue Gewohnheiten an die Macht!

„Der Mensch ist ein Gewohnheitstier“ – dieses Sprichwort kennen wir wohl alle. Und wenn wir unser alltägliches Verhalten einmal auf den Prüfstand stellen, erkennen wir: Dieses alte Sprichwort stimmt genau! Im Laufe von Jahren und Jahrzehnten hat sich durch die ständige Wiederholung von Abläufen bei jedem Menschen eine gewisse Routine eingeschlichen, die uns helfen kann, effizienter voranzukommen. Einige dieser routinierten Vorgänge können jedoch alles andere als hilfreich sein – und uns und unseren Mitmenschen Probleme bereiten. So greifen viele nach dem Aufstehen zuerst nach Kaffee und Zigarette als nach einem gesunden Müsli. Oder andere, die ihren Arbeitskollegen das Leben schwer machen, indem sie zu jedem Termin zu spät kommen.

Ist Erkenntnis der erste Weg zu Besserung?

Neue Gewohnheiten an die MachtSicherlich weiß jeder Raucher, dass er seinen Zigarettenkonsum nach Möglichkeit einstellen sollte, so wie sich auch jeder „Zu-Spät-Kommer“ darüber im Klaren ist, dass er sein Zeitmanagement dringend überdenken sollte. Doch das Ablegen dieser schlechten Gewohnheiten ist gar nicht so einfach.

Schließlich gibt es einen – unserer Meinung nach – sehr triftigen Grund, weshalb es genau diese Gewohnheiten sind, die sich in unser Leben eingeschlichen haben und scheinbar mit aller Macht bleiben wollen. Wir empfinden schlechte Gewohnheiten nicht als schlecht! „Rauchen wirkt auf mich so beruhigend!“ oder „Unter Zeitdruck arbeite ich nun mal am Besten!“ sind gern genutzte Ausreden, die wir alle schon gehört oder auch selbst verwendet haben.

Natürlich – Der Großteil unserer Gewohnheiten ist tatsächlich sinnvoll! Sie erleichtern uns das Bewältigen des Alltags, indem sie uns von dem immerwährenden Zwang befreien, jede Standardsituation in unserem Leben völlig neu zu interpretieren und immer anders zu reagieren. Dank der Gewohnheiten müssen wir nicht über jeden einzelnen Schritt nachdenken und sparen so Zeit und Kraft. Denken Sie nur einmal an ihre tägliche Morgenroutine. Sie stehen auf, putzen die Zähne, steigen unter die Dusche und kleiden sich schließlich an – diese oder eine ähnliche Abfolge wird sich im Laufe vieler Jahre gefestigt haben und wird von Ihnen entspannt und souverän durchgeführt. Sie machen sich auch bestimmt schon keine Gedanken mehr über diese Selbstverständlichkeiten, oder!? Dank dieser Routine können Sie Ihre Konzentration und Energie für Dinge aufheben, die aus der Reihe der alltäglichen Aufgaben fällt.

Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen …

Die meisten unserer Gewohnheiten sind also gut und hilfreich – und erleichtern uns unseren Alltag immens. Ganz anders sieht es jedoch bei schlechten Gewohnheiten aus. Unbemerkt schleichen sich gewisse Abläufe in unseren Alltag ein. Man tut etwas einmal, zweimal … ja, hundertmal, bevor man überhaupt registriert, dass sich ein bestimmtes Verhalten tief mit unserer Persönlichkeit verwoben hat.

Problematisch wird es, wenn eindeutig schlechte Gewohnheiten zwar erkannt, aber als gut eingeschätzt werden. Dies hat zur Folge, dass diese schädlichen Abläufe intensiver genutzt werden und sich im Laufe der Zeit so hartnäckig festsetzen, dass ein Abschütteln zur fast unmöglichen Herausforderung wird. Nehmen wir als Beispiel einen Alkoholiker, der sich lange Zeit nur das eine entspannende „Bierchen am Abend“ gegönnt hat. Irgendwann hat das eine Bierchen nicht mehr genügt, um den Alltagsstress loszuwerden. Aus dem einen wurden zwei, dann drei … und ohne es zu merken, hat sich aus einer schlechten und doch hochgelobten Gewohnheit eine Krankheit entwickelt. Gesteht sich der Alkoholiker sein Problem irgendwann ein und will es bekämpfen, muss er sich auf einen langen, qualvollen Kampf gegen seine Gewohnheit namens Alkoholsucht einstellen.

Auf ein Neues!

Kehren wir nun zurück zu etwas weniger dramatischen, zu unserem „Zu-Spät-Kommer“. Er erkennt, dass seine Arbeitskollegen mit klügerer Planung und Organisation ihrer Arbeitsabläufe viel Zeit sparen und dadurch in der Lage sind, schneller und vor allen Dingen rechtzeitig zum Ziel zu kommen. Er beschließt, dieses intelligente Zeitmanagement zu übernehmen. Doch das ist gar nicht so einfach. Denn genau an diesem Punkt hat der berühmte „innere Schweinehund“ seinen Auftritt. Schließlich ist es doch viel leichter, alles beim Alten zu lassen. Es hat ja auch viele Jahre über so funktioniert. Zu guter Letzt siegt die schlechte Gewohnheit doch über die neue Alternative.

Doch es geht auch anders! Lassen Sie es nicht zu, dass Ihr Impuls, etwas zu verändern, einfach wieder verpufft. Suchen Sie sich Möglichkeiten, um sich die neue Verhaltensweise immer und immer wieder ins Gedächtnis zu rufen. Beschriften Sie z.B. Zettel mit ihrem Vorsatz und befestigen Sie diese an ihrem Monitor oder an einem anderen Platz, den Sie regelmäßig im Auge haben. So wird die neue Gewohnheit immer stärker in ihrem Unterbewusstsein verwurzelt und gewinnt an Kraft. Diese Kraft ist auch nötig, um der alten Gewohnheit den Platz streitig zu machen und sie irgendwann aus ihrem Denken zu verbannen. Irgendwann ist diese neue Gewohnheit ein Teil von Ihnen geworden – Sie nutzen sie dann völlig selbstverständlich und ohne weitere Bedrohung durch ihren „inneren Schweinehund“.

Geben Sie neuen Gewohnheiten diese Hilfe, um ein Teil Ihres Ichs zu werden. Nehmen Sie die neue Gewohnheit an und integrieren Sie sie in Ihren Alltag. Nur durch häufiges Anwenden und Erinnern hat eine neue Gewohnheit die Möglichkeit Ihnen als wertvolle Stütze zu dienen und Ihr Leben nachhaltig zu verbessern.

Ein Kommentar

  1. Ulrich Eckardt schrieb am 1. August 2013 um 12:40

    Gewohnheiten haben wir schon so oft geändert. So gewöhnen wir uns um, wenn wir ein anderes Auto uns kaufen, fahren einen anderen Weg, wenn sich der Arbeitsplatz sich geändert hat, wir klicken mit der Maus andere Icons an, wenn wir eine neue Software einsetzten (müssen), wir sprechen sofort Englisch, wenn wir in den USA oder in England aus dem Flieger steigen, obwohl wir vorher es gewohnt waren, Deutsch zu sprechen.

    Gewohnheit ist nichts anderes, als die kleiner Schwester von „Ich habe keine Lust was zu ändern“. Gewohnheit schreckt und normalerweise ab, zeugt sie doch von Starrheit und Unflexibilität, wenn wir neue Dinge in das Leben integrieren wollen und dann hören, „das brauchen wir nicht, dass haben wir immer schon so gemacht“.

    Grüße

    Ulrich Eckardt

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